Pilz


Text und Bericht von Silvia Oehms




Warum befasse ich mich hier mit Pilzerkrankungen ?
Als erstes möchte ich ganz ehrlich sein und zugeben, dass ich anfangs dachte mich würde so was nie betreffen können.
Warum? Meine Meerschweinchen bekommen das ganze Jahr täglich viel frisches Gemüse, haben massenhaft immer wieder frisches Heu zu Verfügung, bekommen Pellets die mit Vitamin C angereichert sind, haben täglich sauberes, frisches Wasser, werden sauber und artgerecht gehalten. Was heisst schon artgerecht ? Auch hier können viele etwas anderes darunter verstehen. Das ist für mich artgerecht, davon bin ich 100 % überzeugt: Kein Tier wird bei mir alleine gehalten, auch nicht krankheitshalber. Ich achte darauf, dass die Platzverhältnisse stimmen (siehe “Haltung”), d. h. es gibt nur so viele Würfe wie platziert werden können. Und habe ich einmal Männchen die nicht platziert werden können, gibt es erstmal Zucht-Stopp.
Auch für die Verpaarungen gibt es Gehege mit Auslauf, keine Kasten-Haltung. Weibchen werden weder zu früh noch zu spät gedeckt. Sie haben im Gehege viele Unterschlupfmöglichkeiten und werden sowohl vor der Hitze wie auch dem Regen geschützt.

Da ich also schon mal gelesen hatte, dass solche Erkrankungen begünstigt werden durch Massenhaltung, Unsauberkeit und Stress, dachte ich mir: Aber nicht doch bei Churros Corner! Welchen Stress können schon meine Tiere haben ? JA, EINBILDUNG IST AUCH EINE BILDUNG. Als es auch meine Tiere getroffen hatte, dachte ich mir, es läge wohl an der Rasse, da ich von vielen hörte die US-Teddys seien halt Pilz-anfällig. Ich gab sogar meinen Zuchtbock ab und nahm mir einen Glatthaarigen in der Hoffnung mit gemischten Würfen weniger mit dem Pilz zu kämpfen zu haben. Welche Enttäuschung, als auch glatthaarige Babys befallen wurden ! Die ganze Umstellung umsonst ?

Meine erwachsenen Meeris erkranken nicht an Pilz (einige hatten es schon durchgemacht bevor ich sie gekauft habe, als Babys) und stecken sich auch nicht an. Es trifft aber die Babys, die hier auf die Welt kommen. Von 8 Würfen, sind 6 betroffen gewesen. Es waren nicht immer US-Teddy und auch nicht immer alle Babys eines Wurfes. Ich habe alles versucht, trotzdem passierte es, sowohl wenn sie draussen waren wie auch wenn ich sie schon vor der Geburt reingenommen hatte. Und nur in einem Fall hatte die Mutter auch einen kleinen Pilzfleck. Es kommt in jeder Jahreszeit vor und immer zwischen der 3. und 5. Lebenswoche.
Für mich ist es jedes Mal belastend und mit Geld und Zeitaufwand verbunden. Ich zerbreche mir den Kopf mit der Frage ob es nicht irgendwie zu vermeiden wäre. Da es auch zu einer Zeit ausbricht, zu der die Tiere zum Teil abgabebereit wären, kommt häufig noch der Stress dazu die/den zukünftige(n) Halter(i)n vertrösten und hinhalten zu müssen. Und was macht das für einen Eindruck ? Wenn jemand noch nie bei mir gewesen ist, könnte man ja auf den Gedanken kommen ich würde meine Tiere nicht sauber halten.

Was sind Pilzerkrankungen?
Pilzerkrankungen sind so genannte “Zoonosen”, das heisst, dass sie vom Tier auf den Menschen übertragbar sind. Auf der informativen Homepage www.the-golden-nuggets.de wird diese Erkrankung wie folgt beschrieben: “Häufig ist dieser Pilz in den Beständen nur latent (symptomlos) vorhanden und kann somit permanent und unbemerkt von sporentragenden Alttieren auf ihre Nachkommen übertragen werden, bei denen die Erkrankung dann erst unter bestimmten Stressfaktoren (Besitzerwechsel, Umstellungsstress, Futterwechsel usw.) bei ihren Neubesitzern u. U. zum akuten Ausbruch kommt.

Der Zeitraum von Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung kann 1 bis 4 Wochen betragen. Das Krankheitsbild gestaltet sich recht vielseitig. Es kann sich zeigen als kleinere, haarlose Stelle im Kopfbereich, auf Nasenrücken, an Schnauze, um die Augen und Ohren herum. Befallene Hautbezirke zeigen feine, kleieähnliche Schüppchen, Borken oder Krusten. Die Haare können ausfallen oder brechen ab. Juckreiz ist nur schwach ausgeprägt. Ein nur diffuser Haarausfall ist in chronischen Fällen durchaus möglich.
Der Befall kann sich über den gesamten Rumpf und die Extremitäten ausdehnen. Nässende Stellen, mit Bläschen oder Eiterungen, können durch bakterielle Besiedlung der irritierten Haut verschärfend hinzukommen. Der Allgemeinzustand kann gestört sein, Abmagerung ist möglich Ganz klassisch für Trichophytie sind kreisrunde Kahlstellen, welche außen herum einen ringförmig, erhabenen und entzündlich geröteten Hof erkennen lassen. Trichophytie (Rinderflechte, Kalberflechte) ist eine durch Hautpilze ausgelöste Erkrankung der Haut. Genauso sieht auch die Trichophytie bei Menschen aus, die sich bei ihrem Haustier angesteckt haben (2 € Stück große, kreisrunde rote Flecken, eingerahmt von einem roten Ring. Häufig an Armen, in Gesicht und am Hals sitzend). Auch der Mensch muss oft monatelange Behandlungsprozeduren über sich ergehen lassen, wenn er sich einmal infiziert hat. Daher sollte vorübergehend ein absolutes Schmuseverbot mit erkrankten Tieren erteilt werden!” Die Pilzflecken treten meistens in der Nähe der Ohren, an der Ohroberseite und im Ohr drin, um Augen und an der Nase auf. Runde Flecken mitten im Pelz lassen sich nicht immer so eindeutig von Milben unterscheiden. Viele Tierärzte geben erst ein Mittel zur Milbenbekämpfung und machen dann eine Pilzkultur bevor sie den Pilz behandeln. Wieso nicht ? Pilz zeigt immer an, dass das Immunsystem generell geschwächt ist, oft hat das Tier demzufolge auch noch Milben oder Haarlinge. Nur mit Milbenmittel kann man aber einen Pilz nicht wirksam bekämpfen.

Nun habe ich eine Umfrage an viele Bekannte Züchterinnen durchgeführt. Ich wollte wissen ob es alle gleich trifft und was für Behandlungsmethoden die Kolleginnen anwenden. Die Antworten sind ziemlich einheitlich, nur behandelt werden die Tiere nicht überall gleich. Ich schätze sehr die ehrlichen Antworten derjenigen die geantwortet haben. Es ist doch keine Schande zuzugeben, dass die eigenen Tiere von Pilz oder Milben betroffen sind. Von 29 Züchterinnen haben 14 geantwortet. Die Antworten der Umfrage sehen wie folgt aus (In normaler Schrift jeweils eine Zusammenfassung der Originalantworten und fett mein Kommentar oder Erfahrung dazu):

WIE OFT SIND JUNGTIERE VON PILZEN BETROFFEN ? WIE ALT SIND SIE IN DER REGEL ?
Hier sind sich fast alle einig. Es trifft fast nur Jungtiere, entweder wenn sie noch bei der Mutter sind oder eben gleich danach wenn man die Kleinen übernommen hat, das heisst im Alter zwischen 2 und 6 Wochen. Selten ist die Mutter auch betroffen, obwohl es vorkommen kann. Erwachsene Tiere stecken sich nicht an. Ob der Pilzbefall in diesem Alter stressbedingt ist durch die Entwöhnung von der Milchsäugung und/oder Umzug in ein neues Heim kann nicht beantwortet werden. Auch der sogenannte “Fellwechsel” kann mit Pilz verwechselt werden oder einen tatsächlich leichten Pilzbefall bedeuten. Das war die schlechte Nachricht. Die gute ist: Wenn ein Meeri es hinter sich hat, bekommt es so gut wie nie wieder einen Pilz. Natürlich gehen wir hier von einer artgerechten Haltung aus. Tiere die schlecht gehalten werden und immer wieder Stress ausgesetzt sind, bekommen alles Mögliche und immer wieder.

WELCHE ROLLE SPIELT INNEN- ODER AUSSENHALTUNG, DIE JAHRESZEIT ?
Es macht keinen Unterschied ob die Meeris in Aussenhaltung leben oder in so genannten Winterquartieren ( damit sind Gartenhäuschen, Keller mit Tageslicht, usw. gemeint). Die immer gleich bleibende Temperatur und die trockenere Luft bei der Innenhaltung scheinen das Problem stark zu mindern, aber nicht gänzlich beseitigen. Jahreszeiten mit mehr Pilzbefall kann man nicht eindeutig festlegen. Ein tatsächliches Problem der Aussenhaltung, das auch als logische Ursache für einen Pilz erscheinen kann, sind die Schlafställe. Normaleweise sind diese aus Holz und massiv. Sitzen vor allem in der kalte Jahreszeit alle drinnen beisammen, geben die Tiere eine Wärme ab, die durch die Lüftungslöcher nicht zu entkommen vermag. Es bildet sich Kondenswasser. Feuchte, warme Luft begünstigt sicher die Entstehung von Pilzen. Würde man aber noch viel grössere Löcher machen, wären die Meeris nicht genug geschützt vor der Kälte und Durchzug. Und trotzdem ……..keine meiner pilzbefallenen Baby-Meeris ist in einem grossen Rudel auf die Welt gekommen, musste sich also nicht der “Gefahr” dieser stickigen Luft aussetzen.

SIND MUTTERTIERE AUCH BETROFFEN ?
Selten, antworten alle einstimmig. Die einen stellen fest, dass Babys eines Muttertieres das schon mal Pilz gehabt hat auch fast immer Pilz bekommen; so als ob die Mutter Trägerin wäre und es den kleinen weitergeben würde, auch wenn es bei ihr nicht ausbricht. Manchmal kommt es vor, dass die Mama (vor allem wenn sie durch die Geburt und das Säugen sehr strapaziert wird) eine kleine haarlose Stelle bekommt, die als leichte Pilzerscheinung zu erkennen ist.

WELCHE ROLLE SPIELT DIE RASSE ?
Obwohl viel mehr Pilzfälle bei den US-Teddys vorkommen, gibt es offenbar viele Kolleginnen mit befallenen Tieren anderer Rassen.

MIT WELCHEM MITTEL KANN MAN PILZBEFALL BEKÄMPFEN?
Einzig bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Es gibt noch einige Züchterinnen die ihre Tiere konsequent baden mitsamt Mitbewohnern. Andere baden die Meeris grundsätzlich nicht, um den dazugehörigen Stress und die Gefahr einer Erkältung zu vermeiden. Ich werde die verschiedenen Mittel einfach auflisten und möchte hier betonen, dass es nur zur Information dient. Im konkreten Fall bitte den zuständigen Tierarzt/Tierärztin fragen.

IMAZOL-CRÈME:
Ich hatte es mal für meine Kinder bekommen und auf Anraten einer Züchterin mal bei den Meeris ausprobiert und täglich auf die betroffene Stelle aufgetragen. Es hat verhindert, dass sich der Pilz weiter ausbreitet aber nur damit bringt man es nicht weg. Noch eine Züchterin hat es probiert mit ähnlich beschränktem Erfolg.

IMAVEROL:
Ist ein Breitspektrum-Antimykotikum zur äusseren Behandlung von Pilzerkrankungen der Haut. Es ist eine konzentrierte Lösung, die man in verdünnter Form mit einem Schwamm auf die Meeris aufträgt, bis sie ganz nass sind. Es reizt die Augen nicht, was vor allem bei der Behandlung des Kopfes wichtig ist. Diese Behandlung muss man alle 3-4 Tage wiederholen. Nach etwa 4 Behandlungen ist es immer besser gewesen. Ich selber habe mal Imaverol bekommen und unverdünnt mit dem Gazetuch auf eine betroffene Stelle getupft.

PANALOG-SALBE:
Wird von vielen benutzt. Die einen reiben die Salbe alle zwei Tage gründlich ein, die anderen alle 1-2 Tage während 5 bis 10 Tagen.

LIKUDEN-TABLETTEN:
Sind kein Arzneimittel für Meerschweinchen, kann aber für sie angewandt werden. SEHR WICHTIG ist hier die Dosierung, die relativ schwer zu berechnen ist für Meeris. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Ausgewachsene Meerschweinchen bekommen täglich 1/4 Tablette in den Mund, kleine Meeris höchstens 1/8. Ich behandle die Tiere eine Woche damit. Eine andere Züchterin hat auch sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Es gibt wiederum eine Kollegin, welche es nicht von der Tierärztin bekommt mit der Begründung, dass die Dosierung schwierig sei, das Mittel für Meeris nicht erprobt und bei falscher Anwendung die Leber schädigen kann. Diesbezüglich werde ich noch bei meiner Tierärztin nachfragen.

OMIDA-CRÈME (die fettige Sorte) ist Homöopathisch und wird 2-3-mal täglich aufgetragen bis es besser wird.

AURIZON:
Bei weniger schlimmen und nur vereinzelten Pilzflecken mischt eine Züchterin mit tierärztlicher Erfahrung 1 ml Dectomax (Mittel zur Milbenbekämpfung) mit Aurizon (Ohrenreiniger für Hunde und Katzen) und trägt es auf die Stellen darauf.

CANESTEN-SALBE:
Zum Auftragen auf die Pilzflecke. Es gibt auch Canesten-Spray.

MULTILIND:
Pudernde Salbe zum Auftragen 1 x täglich während 5 bis 10 Tagen. Wird gebraucht bei weniger schlimmen Fällen.

NEODERMAVET:
Hautlotion, auch für leichte Fälle, wird eine Woche täglich auftragen.

LAMISIL-SPRAY:
Ist eigentlich gegen Fusspilz, wird aber von einer Züchterin gelegentlich mit Erfolg gebraucht. Anwendung 2 x täglich während ca. 5 Tagen. (Wird auch als Lamisil-Crème gebraucht).

BETADINELÖSUNG:
Beim allerersten Auftreten einmal täglich betupfen, ja nicht ins Auge !

Sehr neugierig haben mich die Angaben einer Züchterin gemacht, die keine Pilzfälle mehr hat seitdem sie ihre Tiere mit Eprinex behandelt. Eprinex ist ein Mittel für Grosstiere wie Kühe, ein Antiparasitikum zur Behandlung von Endo- und Ektoparasiten beim Rind. Sie behandelt ihre Meerscheinchen 2-mal pro Jahr damit, einmal im Frühling und einmal im Herbst. Je nach Gewicht werden 1-2 Tropfen aus einer Spritze ohne Nadeln hinten aufs Genick des Meeris (pro KG 0,5mg) aufgebracht. Drei Züchterinnen sind mit diesem Mittel sehr zufrieden. Es ist aber offenbar nicht so einfach das Mittel zu bekommen und wenn ist es nur in grossen Mengen erhältlich. Eprinex ist aber ein Mittel zur bekämpfung von Milben. Ob die Anwendung von Medikamente an gesunde Tiere zur Vorbeugung immer sinnvoll ist, muss wohl jeder für sich entscheiden.

RINGELBLUME:
Ringelblumentinktur zum Auswaschen wird auch angewendet (unterstützt durch Panalog Salbe). Auch um die von Pilzen und Medikamenten strapazierte Haut zu pflegen eignet sich Ringelblumensalbe oder Ringelblumemelkfett hervorragend.

DESINFEKTION:
Man sollte den Stall und die Schlafhäuschen nach einem Pilzbefall desinfizieren. Das mag für Innenhaltung machbar sein. Wer es aber schon geschafft hat, ein ganzes Gehege im Freien zu desinfizieren soll mir bitte sagen wie…….

Auf die Frage ob alle Handschuhe tragen um befallene Tiere zu behandeln, haben alle NEIN geantwortet. Die Hände werden aber danach mit Sterilium oder nur mit Seife gründlich gewaschen. Ich habe es anfangs mit Handschuhen probiert und habe mir in der Apotheke eine ganze Schachtel bestellen lassen. Die Meerschweinchen haben mir aber am laufenden Band alle mit den Nägeln zerrissen und mit der Zeit ist es mir auch verleidet. Man hat auch nicht das gleiche Gefühl um die Meeris anzufassen. Ich wasche mir aber sehr gründlich die Hände und lasse niemanden die Meeris anfassen.

ANSTECKUNG DER ZUECHTERINNEN:
Bis auf wenige Ausnahmen haben sich die meisten noch nie angesteckt. Trotzdem bitte Vorsicht: Die Behandlung danach ist sehr langwierig und unangenehm. Nur anfassen um zu Verarzten, danach gründlich Waschen und Hände desinfizieren. Keine Kinder und andere Leute die Meerschweinchen anfassen lassen bis sie gesund sind.

SCHLUSSFOLGERUNG
Wir sind dazu verpflichtet unsere Tiere artgerecht und sauber zu halten um für unsere Käufer Vorbilder zu sein. Dass unsere Tiere aber gewisse “Kinderkrankheiten” durchmachen ist wohl nicht ganz zu vermeiden. Ich nehme mir den Rat einer lieb gewonnenen Ratgeberin zu Herzen und werde mich in Zukunft davon nicht mehr so stressen lassen. Dass die Tiere durch eine intensive Behandlung zusätzlich gestresst werden fördert nicht unbedingt die Heilung. Ich habe es beim letzten Wurf selber gemerkt. Unter Zeitdruck hätte ich die Babys noch vor meine Ferien gerne wieder gesund gehabt. Aber jetzt nehme ich ein neues Mittel auf die Liste: ZEIT. Ich habe die letzt geborenen Babys eine Woche mit Likuden-Tabletten behandelt, dazu zwei Mal Canesten Salbe aufgetragen und danach ging ich in die Ferien und sie hatten eine Woche Ruhe vor dem Einfangen und Behandeln. Als ich zurückkam waren alle wieder gesund und die Haare nachgewachsen. Auch werde ich die Abgabetermine von Anfang an später setzen.

Ich hoffe auch Euch mit diesen Informationen gedient zu haben.